Der Tag der Sonnenfinsternis

Bildergalerie zum einmaligen Naturereignis

Prozent, vier Grad über dem Horizont — und ein Turm im fremden Licht

Es gibt Termine, die kann man nicht verschieben. Der 12. August 2026 war so einer.

An diesem Mittwochabend zog der Mondschatten über Grönland, Island und Nordspanien — die erste totale Sonnenfinsternis über europäischem Festland seit 27 Jahren. Bei uns in der Ortenau blieb es bei einer partiellen Finsternis. Aber was für einer: Um 20:16 Uhr verdeckte der Mond gut 91 Prozent des Sonnendurchmessers. Und weil die Sonne zu diesem Zeitpunkt nur noch rund vier Grad über dem Horizont stand, spielte sich das ganze Schauspiel dort ab, wo an einem Augustabend ohnehin die schönsten Bilder entstehen: knapp über der Rheinebene, in Richtung Vogesen.

Der Platz

Gesucht war ein Standort mit freiem Blick nach Westen — ohne Wald, ohne Hochspannungsleitung, ohne Nachbarhaus im Bild. Gefunden haben wir ihn oberhalb des Busseck Hofs im Diebersbach in Oberkirch-Bottenau. Von dort fällt der Blick über die Reben hinweg ins Tal und weiter über die Ebene. Genau die Richtung, in die an diesem Abend alles zeigte.

Um 19:22 Uhr biss der Mond die erste Kerbe in die Sonnenscheibe. Zunächst passiert wenig, was man sehen kann — dafür umso mehr, was man spürt. Das Licht verliert seine Selbstverständlichkeit. Es wird nicht dunkler wie am Abend, sondern dünner. Schatten werden schärfer, die Farben kühler, die Wärme geht früher aus der Luft als sonst. Wer schon einmal dabei war, kennt dieses Gefühl. Wer nicht, hat es an diesem Abend zum ersten Mal erlebt.

Und dann kam der Moment, den keine Simulation vorbereitet: Die Sonne ging unter, bevor die Finsternis vorbei war. Um 20:48 Uhr verschwand sie als schmale Sichel hinter dem Horizont — nicht als runde Scheibe, wie an jedem anderen Abend des Jahres.

Die Technik

Im Einsatz waren an diesem Abend:

  • iPhone 16 Pro Max — für die Totale, die Stimmung, die schnellen Momente
  • Canon EOS 90D mit langer Brennweite und improvisierten Sonnenschutzfolien — für die Sonne selbst
  • Drohne — für alles, was vom Boden aus nicht geht

Der Sonnenfilter war die eigentliche Herausforderung. Ohne Folie vor der Frontlinse ist eine Aufnahme der teilverdeckten Sonne weder für das Auge noch für den Sensor zu machen — das Sonnenlicht bündelt sich im Objektiv zu einer Intensität, die Kameratechnik in Sekunden beschädigt. Unsere Lösung war improvisiert, aber sie hat gehalten. Die Ergebnisse in der Galerie sprechen für sich.

Wichtig, falls Sie es beim nächsten Mal selbst versuchen: Für den direkten Blick in die Sonne braucht es eine zertifizierte Sonnenfinsternisbrille nach EN 1836. Sonnenbrillen, geschwärzte Gläser, belichtete Filme oder Rettungsdecken reichen nicht aus. Für die Kamera gilt dasselbe — ein Filter gehört vor das Objektiv, nicht dahinter.

Der Turm im fremden Licht

Das Motiv, auf das wir am meisten gewartet hatten, steht kein Kilometer entfernt: der Geigerskopfturm. 20 Meter Stahl in Regenbogenfarben, seit dem Sommer 2000 auf 436 Metern über Bottenau, gebaut vom Schwarzwaldverein Oberkirch. An klaren Tagen reicht der Blick von der Plattform über das Rheintal bis zu den Vogesen.

An diesem Abend war es umgekehrt: Der Turm selbst war das Motiv. Wir sind mit der Drohne hoch, und was dort oben passierte, lässt sich schwer beschreiben. Das Finsternislicht ist kein Abendlicht. Es ist heller, als es sein dürfte, und kälter, als es aussieht. Die Regenbogenfarben, die an einem normalen Sommerabend fast kitschig wirken, standen plötzlich in einem Ton da, den wir vorher nicht kannten — und den wir so schnell auch nicht wieder sehen werden.

 

 

Fakten

   
Datum Mittwoch, 12. August 2026
Beginn 19:22 Uhr MESZ
Maximum 20:16 Uhr MESZ
Bedeckung rund 91 % des Sonnendurchmessers
Sonnenhöhe im Maximum ca. 4° über dem Horizont
Sonnenuntergang 20:48 Uhr — die Finsternis lief noch
Standort oberhalb Busseck Hof, Diebersbach, Oberkirch-Bottenau
Totalitätszone Grönland, Island, Nordspanien

 

Danke

Solche Bilder entstehen nicht allein. Sie entstehen, weil jemand den Standort auskundschaftet, jemand anders die Folien zurechtschneidet, jemand die Drohne im Blick behält, während der Rest durch den Sucher schaut — und alle gleichzeitig auf die Uhr.

Es war ein tolles Teamergebnis. Wir freuen uns über die Aufnahmen und sind dankbar, diesen Tag so erleben zu dürfen.

Die nächste totale Sonnenfinsternis über Europa lässt nicht lange auf sich warten: 2. August 2027, Südspanien und Nordafrika. Über Deutschland wird es dagegen dauern.

Erster Kontakt: der Mond schiebt sich vor die SonneDie Kerbe wird größer – Beginn der partiellen SonnenfinsternisZunehmende Bedeckung der Sonnenscheibe über Oberkirch-BottenauDie Sonne als Dreiviertelscheibe, aufgenommen mit SonnenfilterMaximum der Sonnenfinsternis: 91 Prozent Bedeckung um 20:16 UhrRötliche Sonnen-Sichel über der RheinebeneDie verfinsterte Sonne kurz vor dem MaximumSonnensichel im Teleobjektiv – Canon EOS 90D mit SonnenschutzfolieDie Sonnensichel sinkt Richtung VogesenUntergang als Sichel – die Sonne verschwindet noch verfinstertVerfinsterte Sonne tief über dem HorizontDie Sichel berührt den HorizontSonnenfinsternis kurz vor Sonnenuntergang, Blick nach WestenLuftbild um 20:16 Uhr – zum Maximum der SonnenfinsternisUnser Treffpunkt oberhalb des Busseckhofs um 20:17 UhrLuftaufnahme über dem Diebersbach um 20:22 UhrRegenbogenfarben im Finsternislicht – Geigerskopfturm um 20:18 UhrBlick nach Oberkirch im fremden Licht der Sonnenfinsternis, 20:21 UhrDie Ortenau von oben während der Sonnenfinsternis, 20:24 UhrGeigerskopfturm im Schwarzwald um 20:26 UhrSchwarzwaldhöhen im Licht der Finsternis, 20:27 UhrDer 20 Meter hohe Regenbogenturm aus der VogelperspektiveBlick nach Westen über die Reben zur untergehenden SonneGeigerskopfturm 20:28 UhrDer Beobachtungsplatz oberhalb des Busseck Hofs im DiebersbachKameras und Sonnenfilter im EinsatzNach dem Sonnenuntergang: Blick über das Rheintal
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